Nature Tour 2018 | Iceland

In dieser Blogserie möchte ich unsere Reise nach Island nachzeichnen und mit zahlreichen Bildern darstellen.

Vor der Reise stellt sich für Fotografen immer wieder die gleiche Frage, „Welches Equipment nehme ich mit?“ und „Wie?“

In der Zeit, in der man der Leidenschaft Fotografie folgt, sammeln sich natürlich diverse Ausrüstungsgegenstände an und einige davon möchte man unter keinen Umständen missen. Andere müssen noch gesucht und gefunden werden. Nach diversen Flugreisen mit Fotoausrüstung haben sich unterschiedliche Erkenntnisse breit gemacht und daraus resultierend ergeben sich Anforderungen und Wünsche.

  1. Ich möchte meine teure Ausrüstung nicht im Koffer aufgeben.
  2. Die Mobilität darf nicht dazu führen im entscheidenden Moment falsch ausgerüstet zu sein

Zum ersten Punkt

Es kann durchaus sein, dass Fluglinien zuverlässig und verantwortungsvoll mit Ihren Passagieren und deren Dingen umgehen, von unterbezahlten Flughafen-Mitarbeitern die möglichst schnell die Fracht ein- und ausladen sollen bin ich nicht mehr so überzeugt, dass sie auf die Unversehrtheit der Gepäckstücke besonders achten. Daher verstaue ich im Koffer nur jene Dinge die Erschütterungen gut aushalten können, dazu zählt das Stativ, diverses Zubehör wie eine Mindestauswahl an Makroringen, ein Tragegurt oder die Ladegeräte, wobei ich bei Letzteren immer eines im Koffer und eines im Handgepäck transportiere.

Selbst wenn man sich auf das Nötigste beschränkt sind viele Kamerarucksäcke als Handgepäck für die Ausrüstung ungeeignet, da es zu wenige dezidierte Fächer gibt. Rucksäcke, die sich hervorragend zB für Wanderungen eignen, versagen jedoch bei der Aufgabe ein mobiles Studio ins Flugzeug mitzunehmen. Da stellt sich die Frage was ich auf Reisen mitnehme und das führt automatisch zu

Punkt Zwei

Um nicht ungenügend ausgerüstet zu sein packe ich folgende Fotosachen ein

1 Kamera-Body, Canon EOS 5D Mark IV (mit Batteriegriff)

1 Superweitwinkel, Canon EF 11-24mm f/4L USM

1 Zoom, Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM

1 Tele, Canon EF 100-400mm 4.5-5.6 L IS II USM

1 MacBook Air 13 Zoll

1 externe Festplatte SSD 2TB (GDrive), geschützt gegen Wasser und Erschütterungen

1 iPad Air 2 (für externe Kamerasteuerung)

Zubehör: Carbon-Reisestativ, Makroringe, mind. 6 Speicherkarten (64-256GB), Reinigungsset, 4 Akkus + Ladegeräte (1 normales, 1 USB + Stecker), Lesegeräte, diverse Kabel und Ladegerät für den Laptop und einen Tragegurt.

Ich habe alle diese Gegenstände auf der Reise mehrfach gebraucht, es gab keinen Teil der nie zum Einsatz kam. Der Tragegurt, mit dem man die Kamera wie eine Umhängetasche tragen kann, hat sich auch auf langen Wanderungen als unverzichtbares Accessoire herausgestellt. Mit einem gut gepolsterten Schulterpad, einer Rutschsicherung und einen zusätzlichen Sicherheitsgurt für die Kamera selbst kann man den ganzen Tag bergauf und bergab wandern und klettern ohne Nacken- oder Rückenschmerzen zu bekommen. Wie gesagt ich bin nie mehr ohne unterwegs und unter zahlreichen Modellen hat sich für mich der Rollei Profi Kameragurt Single als der für mich Beste herausgestellt.

Einen Blitz habe ich zu Hause gelassen, da ich von vornherein wusste, dass ich nie in die Situation kommen werde einen zu benutzen, Indoor-Aufnahmen gehen mit der Ausrüstung auch ohne ganz gut.

Fazit zur Ausrüstung: Letztendlich werde ich für die nächste Reise wieder etwas ändern. Ich werde für die Anreise einen Fotokoffer (Handgepäck) verwenden und für die Expeditionen Vor-Ort einen Wanderrucksack extra im Reisekoffer mitnehmen. So gut ein reiner Fotorucksack als mobiles Studio ist, als Helfer auf Tagestouren, bei der man auch etwas Proviant oder Ersatzkleidung mitnehmen sollte, ist er eher ungeeignet.

Der Titel Nature Tour passt ganz gut, da wir, mit ganz wenigen Ausnahmen, alle Gelegenheiten nutzen die Schönheit der Natur und der Landschaft zu erfahren, zu beobachten und zu fotografieren. Da es unser erster Besuch der Insel ist, haben wir uns entschlossen einmal mit einem Mietwagen entlang der Küste die Insel zu umrunden. Das gibt, mit ein paar Abstechern auf Hoch-Plateaus oder Pässen, einen recht guten Überblick über Island. Auf Island muss man immer damit rechnen einige Strecken auf Schotterstraßen unterwegs zu sein, von den knapp über 3.000km die wir unterwegs sind, sind geschätzt 500km unbefestigter Untergrund. Die sind entlang der Straße 1 auch problemlos mit einem Wagen der Golf-Klasse zu meistern. Für Ambitionen ins Hochland zu fahren braucht es mindestens einen 4×4-Wagen aber in Wahrheit muss es für Touren ins Hochland ein echter Geländewagen wie ein Defender sein und kein Pseudo-4×4 wie den Dacia Duster, den man sehr häufig sehen kann.

Wir sind auf Reisen Genießer und ich fürchte uns haben alle überholt, überholen müssen. Wohin die immer alle so schnell wollen ist aber völlig unklar, da die allermeisten Autos eindeutig als Mietwagen zu erkennen sind und auf einer Reise in Island wie ein Verrückter durch die Landschaft zu rasen habe ich im Grunde nicht kapiert und auch nicht nachvollziehen können. Zumal ich keine echte Antwort darauf gefunden habe für was genau die sich sonst die Zeit nehmen wollten, die sie durch das schnelle Fahren zu gewinnen glaubten? Die Landschaft zu genießen gehörte wohl nicht dazu wie ich noch erläutern werde, vermutlich wartet irgendwo das Mittagessen oder ein Beauty-Salon oder ein Caféhaus das dringend besucht werden muss.

Ein Erklärungsversuch was uns dabei so verwundert. Wir haben (vom Reiseveranstalter) einen ungefähren Plan (bekommen), was man auf der Strecke alles machen, sehen und erleben kann, die (Touristen-)Highlights der Reise sozusagen. Wir haben zusätzlich zu den Punkten, die zugegeben sehr schön sind, viele, viele weitere Spots gefunden, die zu kurzen Wanderungen einladen und wenn man sich die Zeit nimmt, Tiere sieht und sie beobachten kann, die im vorbeirasen nicht einmal wahrgenommen werden. So wird jeder Tag eine Sammlung von Mini- und Midi-Exkursionen mit extrem schönen Eindrücken und unvergesslichen Erinnerungen.

Wenn wir an den gut frequentierten Aussichtspunkten gehalten haben, wird auch dort etwas gewandert oder zumindest einige 100m gelaufen um einen echten Eindruck von der Landschaft und dem Gebiet zu bekommen, sei es auch nur für ein echt gutes Bild auf das es zu warten lohnt. Da ist es doch immer wieder lustig zu sehen, wenn die eiligen Autofahrer kurz anhalten, aussteigen, zwei Schritte machen, das Smartphone zücken um ein Foto, nicht selten ein Selfie oder mit entsetzlicher Pose, zu machen, wieder einzusteigen um weiter zu fahren. Es gibt, selten aber doch auch welche die haben sich nicht einmal die Mühe gemacht auszusteigen, die fahren auf den Parkplatz, knipsen in die Gegend und fahren weiter. Am ersten Tag höre ich von einem vorbeieilenden Paar, die eine Sehenswürdigkeit beinahe im Gehen ablichtet, den wahrlich dümmsten Spruch von Reisenden, der das meiner Meinung nach psychotische, gehetzte Verhalten am besten wiederspiegelt, „Zeit ist Geld“.

Wofür brauchen die eigentlich die ganze Hetzerei? Die einzige Erklärung für uns war, dass diese Menschen wohl auch eine Rundreise machen wollen, allerdings nicht in knapp zwei Wochen, sondern in 4 oder 5 Tagen oder aber den Bus nicht verpassen dürfen. Egal welche Motivation diese Leute haben, diese Oberflächlichkeit, diese Egozentrik passen überhaupt nicht in die Landschaft von Island, zumindest in meinem Weltbild, in der es dazu gehört Land und Leute näher kennenlernen zu wollen und nicht sie zur Selbstdarstellung zu missbrauchen.

In den folgenden Beiträgen beschreibe ich die Reise in Tagesetappen, schildere unsere Eindrücke und unsere Erfahrungen, natürlich ausreichend bebildert, denn Bilder sagen bekanntermaßen mehr als 1000 Worte.